Dienstag, 11. Februar 2014

Die Angst vorm Anfang

© sirius-sdz | deviant art

Es ist fast Mitte Februar, ich gehe seit Monaten schwanger mit einer Idee. Ich schreibe über das Schreiben, ich denke über das Schreiben nach, ich rede mit Freunden über meine Geschichte.

Aber ich schreibe nicht.

"Keine Zeit."

"Ich muss erstmal den Plot klarkriegen."

"Erstmal ne Playlist für die Charaktere bauen, dann geht das sicher besser."

"Ne, heute ist irgendwie nicht der richtige Tag."

"Ich glaube, ich muss da erstmal noch etwas recherchieren."

"Jetzt wäre ich soweit, aber gerade ist ja Olympia, und das ist schließlich nur alle vier Jahre. Schreiben kann ich jeden Tag."

Oh wenn doch.

Wenn ich doch tatsächlich jeden Tag für eine Weile an meinem Laptop sitzen und etwas produzieren würde. Aber das tue ich nicht.

Ich habe auf jegliche erdenkliche Frage eine Antwort, ich habe Gründe, ich habe Ausreden. Abe wenn wir die Sache ganz pragmatisch betrachten, dann habe ich nur eins: Angst.

So lange etwas nicht begonnen ist, kann es nicht schief gehen. So lange nichts geschriebe ist, ist die Geschichte perfekt. So lange alles nur in meinem Kopf existiert, gibt es keine Plotlöcher oder Logikprobleme. Es gibt nur die Idee, in ihrer reinen, unberührten Form.

Schreiben erfordert Mut. Etwas produzieren erfordert Mut. Man stellt etwas in die Welt und sobald es da ist, ist man angreifbar. Das nimmt in dem Maße noch zu, in dem das was man geschaffen hat, nach außen dringt.

Aber es braucht keine externe Kritik, kein zweites Augenpaar, um sich verletzlich zu machen. Es genügt der eigene innere Kritiker.

Die Idee, die so wunderbar war, der Plot mit seinem mitreißenden Spannungsbogen, die Charaktere, die man von Beginn an ins Herz geschlossen hat - all dass muss die Transformation von Gedanke zu Geschriebenem überstehen.

Die Zweifel sind schon im Voraus da: Was, wenn ich es nicht kann? Was, wenn meine geliebten Figuren flach bleiben, meine Geschichte am Ende uninspiriert, der Plot zu langatmig?

Was, wenn es nicht gut ist?

Die Angst, nicht gut genug zu sein, beherrscht viele Teile meines Lebens. Das Schreiben ist der erste, den ich gedenke, mir zurück zu erobern.

Als ich in dieses Jahr gegangen bin, mit meiner Idee im Hinterkopf und dem Beschluss, den Fortschritt meines Projekts hier zu dokumentieren, hatte ich auch einen Zeitplan im Kopf:

Januar - März: Planung, Recherche, Schneeflockenmethode
April - Juli: Schreiben und Beenden der Rohfassung
August: Pause/Distanz gewinnen; für November plotten
September - Oktober: Überarbeiten
November - National Novel Writing Month (mit dem Projekt dass nicht den Zuschlag bekommen hat mein Hauptprojekt zu werden)
Dezember - Letzte Korrekturen /Agentursuche

Fast anderthalb Monat sind vorbei. Der Zeitplan bleibt trotzdem, wie er ist. Ich habe viel über meine Geschichte nachgedacht, viele Unklarheiten sind schon ausgeräumt, jetzt heißt es, sie zu Papier zu bringen.

Zeit, der Angst ins Auge zu blicken.





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